Wolfzahnau

Aus Wasser wird Strom

Jahrhunderte lang brauchten die Menschen das Wasserrad, um aus Wasser Energie zu gewinnen. Die Entdeckung der Elektrizität änderte an der Schwelle zum 20. Jahrhundert die ganze Welt. Aus den hölzernen Mühlrädern wurden gusseiserne Turbinen, die mechanische Energie in Strom verwandelten. Immer mehr Wasserkraftwerke bestimmten das Bild an den Augsburger Flüssen und Kanälen - und tun es heute noch.

Als Wasserstadt schöpfte und schöpft Augsburg einen großen Teil seiner Energie aus Lech, Wertach und den unzähligen Kanälen. Auffallend sind die vielen kleinen Wasserkraftwerke, oftmals in Privatbesitz, wie etwa an mehreren Standorten in der Altstadt. Insgesamt zählte das Tiefbauamt im Jahr 2007 noch 33 aktiv betriebene Wasserkraftwerke im Stadtgebiet. Dazu kamen unter anderem noch das Wolfzahnau-Kraftwerk in der Firnhaberau und das neue Kraftwerk an der Ostseite des Hochablass. 

Die Stadtwerke Augsburg wiesen in ihrem Standard-Angebot schon seit jeher deutlich mehr Strom aus Wasserkraft aus, als es im deutschen Durchschnitt üblich war. Damit folgen sie einer mehr als 100 Jahre alten Tradition.

Es war 1903, als die Lech-Elektrizitätswerke AG mit Sitz in Augsburg gegründet wurde. Heute heißt das Unternehmen Lechwerke AG (LEW), betreibt aber unter anderem noch immer die drei großen Wasserkraftwerke am Lechkanal im Norden der Stadt.
 

Das Wasserkraftwerk Gersthofen

LEW Wasserkraftwerk Gersthofen. Foto: Lechwerke AGRund 1500 Meter nach dem Zusammenfluss von Lech und Wertach leitet das 1898 erbaute, 80 Meter breite Stauwehr Wasser in den Lechkanal. Dieser war damals nur vier Kilometer lang. Nach drei Kilometern durchfloss das Kanalwasser in einem starken Gefälle die Turbinen des Gersthofer Wasserkraftwerks. Ab dem 2. Oktober 1901 erzeugten fünf Turbinen der soeben vereinigten Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg rund 4500 Kilowatt Strom.

Eine Anekdote am Rande: Der Architekt Karl Albert Gollwitzer hatte im ausgehenden 19. Jahrhundert die Vision, den Lech an die Donau-Schifffahrt anzugliedern und in Augsburg einen Hafen zu errichten. Darum erhielt das Gersthofer Stauwehr eine Floßfasse und das Kraftwerk eine 8,6 Meter breite Schleuse für Schiffe.

Während Augsburg anfangs noch sehr zurückhaltend bei der Stromabnahme war, profitierte Gersthofen von der neuen Energiequelle. In unmittelbarer Nachbarschaft des Wasserkraftwerks begann 1902 der Betrieb der Chemiefabrik Meister Lucius & Brüning, die späteren Farbwerke Hoechst. 
 

Das Wasserkraftwerk Langweid 

LEW Wasserkraftwerk Langweid. Foto: Lechwerke AGDer Erfolg des Gersthofer Kraftwerks ermunterte die neu gegründeten Lech-Elektrizitätswerke zu weiteren Investitionen. Der Lechkanal wurde verlängert, ab 1905 wurde bei Langweid ein zweites Wasserkraftwerk errichtet – selbstverständlich wieder mit Schleusen für den noch immer geplanten Schiffsverkehr. 1907 gingen die vier MAN-Turbinen in Betrieb.

Heute beherbergt das prunkvolle Gebäude das Lechmuseum Bayern. Eigentlich war es als Werksmuseum der LEW geplant, entwickelte sich dann aber zu einer multimedialen Inszenierung des Lech. 2008 wurde es eröffnet.
 

Das Wasserkraftwerk Meitingen

LEW Wasserkraftwerk Meitingen. Foto: Lechwerke AGMit fortschreitender Industrialisierung wurde der Hunger nach Strom schier unstillbar. So wurde der Kanal erneut verlängert, reichte nun fast bis Ellgau, ehe er sich wieder mit dem Lech vereinte. Bei Kilometer 14,5 entstand von 1920 bis 1922 das dritte große Wasserkraftwerk des Kanals, diesmal in Meitingen. Noch heute arbeitet das Kraftwerk mit den originalen Maschinensätzen der Goldenen Zwanziger.

Die drei Wasserkraftwerke am Lechkanal beschleunigten die Industrialisierung im Norden Augsburgs. Von Gersthofen bis Meitingen sind noch heute namhafte Firmen aus energieintensiven Branchen wie Chemie oder New Materials angesiedelt.

Auch im Augsburger Stadtgebiet entstanden zahlreiche kleine Kraftwerke, die oft nur eine einzige Fabrik mit Strom versorgten. Während viele Fabrikgebäude irgendwann Opfer der Abrissbirne wurden, stehen die Kraftwerke größtenteils noch immer an den Bächen und Kanälen und erinnern eindrucksvoll an die Glanzzeiten Augsburgs als Industrie-Standort.

Die Augsburger UNESCO-Welterbe-Bewerbung wird unterstützt von

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