Infos zur Schließung des Großen Hauses

Ursprünglich war geplant, bereits unter Auflagen, den Spielbetrieb im Großen Haus bis zum Ende der Spielzeit 2016/17 aufrecht zu erhalten und dann zu schließen.

Warum wurde das Große Haus kurzfristig geschlossen?

Was bisher geschah

Nachdem im Mai 2016 Erkenntnisse aus Voruntersuchungen gewonnen worden waren, die u.a. brandschutztechnische Probleme im Deckenbereich der Garderobe aufzeigten und im Brandfall ein Eindringen von Rauch in den Zuschauerbereich wahrscheinlich machten, wurden durch die Feuerwehr erweiterte Maßnahmen vor Ort ergriffen. Nach der Durchführung von zerstörenden Untersuchungen im Deckenbereich der Garderobe im Großen Haus, einem Verrauchungsversuch, sowie nach Abwägung aller brandschutztechnischen, bauordnungsrechtlichen und sicherheitsrelevanten Faktoren stand fest: Der laufende Spielbetrieb im Großen Haus des Theaters endet spätestens nach der letzten Vorstellung im Juni 2016.

Nach den vorliegenden Erkenntnissen waren zur Gewährleistung des Brandschutzes im Großen Haus Maßnahmen zu treffen und bis zum Ende des Spielbetriebs aufrecht zu erhalten. Dazu gehörten neben der personellen Verstärkung der Feuersicherheitswache auch ein Löschfahrzeug, das während der Vorstellungen vor dem Theater postiert wurde. Aufgrund neuer Erkenntnisse aus den intensivierten Untersuchungen wurden zusätzlich neun Funkrauchmelder in die Zwischendecke zwischen Garderobe und Zuschauerraum eingebracht. Damit ist sichergestellt, dass etwa auch ein Kabelbrand in nicht sichtbaren Bereichen rechtzeitig entdeckt werden könnte.

„Weil alle diese Maßnahmen eher organisatorischer Art und nicht für einen längerfristigen Spielbetrieb geeignet sind, darf nach dem Ende der Spielzeit 2016 im Großen Haus kein Publikumsverkehr mehr stattfinden. Daher muss der Spielbetrieb dann eingestellt werden“, so Frank Habermaier, Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz.

Nachdem im August 2016 von dritter Seite die Notwendigkeit der Schließung in Frage gestellt wurde, beauftragte die Stadt Augsburg den TÜV Süd mit einem unabhängigen Gutachten. Am 19. August stellte der TÜV Süd in einer Vorab-Stellungnahmen als Schlussfolgerung fest: „Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind zusammenfassend aus Sicht von TÜV SÜD nicht dazu geeignet, die festgestellte erhebliche Gefahr zu reduzieren.“ (Siehe Meldung Theatersanierung: TÜV hält Schließung für „zwingend“ vom 19.08.2016)

Abschließend heißt es „Die Begründung der Bauaufsichtsbehörde in der Nutzungsuntersagung ist auf der Grundlage der Ortsbegehung aus Sicht von TÜV SÜD durchaus nachvollziehbar und als sachgerecht zu bewerten. Angesichts fehlender Alternativen beurteilt TÜV SÜD die Entscheidung, eine Nutzungsuntersagung auszusprechen, auch als zwingend.
  

Wie geht es weiter

Der TÜV Süd hat die in seiner Vorab-Feststellung dargelegte Beurteilung noch gründlich ausgeführt. Dies erfolgte unter Mitwirkung eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen des TÜV Süd.   

Die gutachterliche Vorab-Stellungnahme des TÜV SüdErklärung des Oberbürgermeisters Dr. Kurt Gribl

 

Warum sanieren?

Die letzten wesentlichen Baumaßnahmen liegen über 60 Jahre zurück: Im Theater Augsburg besteht erheblicher Sanierungsbedarf. Ohne umfassende Sanierung geht es für das Große Haus nicht weiter. Die Bildergalerie gibt einen Überblick über den Zustand der Räumlichkeiten. 

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Heizungskeller. Foto: Theater Augsburg
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Der Probenraum der Augsburger Philharmoniker. Foto: Theater Augsburg
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Außenfassade Hutmacherei Färberei. Foto: Theater Augsburg
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Probebühne 2 Aufenthaltsraum. Foto: Theater Augsburg
Theatersanierung-innenhof
Innenhof. Foto: Theater Augsburg
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Malsaal. Foto: Theater Augsburg
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Foto: Theater Augsburg
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Treppenhaus. Foto: Theater Augsburg
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Hinterbühne. Foto: Theater Augsburg
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Gang zu den Garderoben. Foto: Theater Augsburg
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Künstlergarderobe. Foto: Theater Augsburg
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Gang zur Garderobe. Foto: Theater Augsburg
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Unterbühne. Foto: Theater Augsburg
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Malsaal. Foto: Theater Augsburg
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Unterbühne. Foto: Theater Augsburg
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Untermaschinerie der Bühne. Foto: Theater Augsburg
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Aufenthaltsraum Technik. Foto: Theater Augsburg
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Treppenhaus. Foto: Theater Augsburg
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Schlosserei. Foto: Theater Augsburg

Die ursprüngliche Substanz des Großen Hauses des Theaters Augsburg stammt aus dem Jahre 1877: Die Wiener Theaterarchitekten Helmer und Fellner ließen das Gebäude im Stil der Neorenaissance errichten. In den 1930er-Jahren folgte die erste maßgebliche Umgestaltung. Aus dieser Zeit datiert auch der Bühnenraum, der zu den größten im deutschen Raum zählt. 1944 wurde das Theater im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört, 1953 bis 1956 folgte der Wiederaufbau. Das äußere Erscheinungsbild griff die ursprüngliche Gestaltung wieder auf, die Innenräume wurden in zeitgenössischer Form gestaltet.

Seit dem Wiederaufbau gab es – bis auf die Erneuerung der Bühnenmaschinerie 1989 – keine wesentlichen baulichen Eingriffe mehr. Der nahezu unveränderte Erhaltungszustand macht das Theater zu einem denkmalgeschützten Zeitdokument des Wiederaufbaus der 1950er-Jahre. Der Nachteil: Inzwischen haben sich die baurechtlichen Anforderungen für öffentliche Gebäude verändert. Es besteht massiver Nachholbedarf in Sachen Brandschutz. Der Spielbetrieb konnte – bis zur vorzeitigen Schließung des Großes Hauses im Juni 2016 – nur unter Auflagen aufrechterhalten werden. Alle Infos zur vorzeitigen Schließung finden Sie hier.

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