500 Jahre Reformation

An 500 Jahre Reformation wird 2017 weltweit erinnert – auch in Augsburg. Die Veranstaltungen stehen unter dem Motto „Mutig bekennen, friedlich streiten“.

Veranstaltungshöhepunkte in Augsburg

  • Den Auftakt der vielen Veranstaltungen bildet im Oktober 2016 die 6. Jahrestagung zum Augsburger Religionsfrieden.
  • Am 25. Januar 2017 ist Christian Wulff, Bundespräsident a.D. im Augsburger Rathaus zu Gast. Er spricht zum Thema „Demokratie braucht persönliche Bekenntnisse: Damit Zusammenleben gelingt!“
  • Mit einem Europäischen Stationenweg will die Evangelische Kirche in Deutschland 500 Jahre nach der Reformation Menschen in Europa miteinander verbinden. In Augsburg macht das Geschichtsmobil im April 2017 Halt auf dem Rathausplatz und sammelt Geschichten und Erinnerungen.
  • Im Juni findet das Fest der Freiheit statt. Es beginnt mit der Gasse der Freiheit, dem Evangelischen Kirchentag. Es folgt die Lange Nacht der Freiheit mit 60 bis 70 verschiedenen Künstlern, die sich mit dem Thema Freiheit auseinander setzten.
  • Nationale und internationale Ausstellungen gehören ebenfalls zum Programm. So zeigt zum Beispiel die interaktive Bibelausstellung Unser Buch von 7. April bis 13. Mai wertvolle historische Bibelexponate im Unteren Fletz (Rathaus), St. Moritz und St. Anna.
  • Das Augsburger Friedensfest setzte sich im Jubiläumsjahr mit dem Thema „Bekennen“ auseinander. Den feierlichen Höhepunkt bilden am 8. August die Bekanntgabe des Preisträgers des Augsburger Friedenspreises, die Friedenstafel und das Festkonzert Symphonie No.5 – Reformationssymphonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy.
  • Den Abschluss des feierlichen Jahres bildet am 31. Oktober 2017 in der St. Anna Kirche ein Festkonzert zum Reformationsfest: Augsburger Symphonie – eine deutsche Messe nach Chorälen von Martin Luther & H.J. Raff. 

Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte der Mönch Martin Luther seine 95 Thesen und war damit Wegbereiter der Reformation. Luthers Überzeugungen standen der damaligen kirchlichen Lehrmeinung entgegen. Diskussionen, Auseinandersetzungen, mutige Bekenntnisse aber auch blutige Kriege folgten.

Reformation heute?

Welche Werte habe ich? Wie gehe ich mit anderen Standpunkten um? Themen der Reformation sind heute noch aktuell. Von Oktober 2016 bis Oktober 2017 stehen sie im Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen. Das Programm in Augsburg richtet sich an die ganze Stadtgesellschaft und alle Besucher. Dabei arbeiten die Stadt Augsburg, das Evangelisch-Lutherische Dekanat Augsburg und die Regio Augsburg Tourismus GmbH eng zusammen.

Wer war Martin Luther?

Ob es wirklich nur zwei Sorgenfältchen waren? Der 45-jährige Martin Luther, gezeichnet von Lucas Cranach dem Älteren.
Martin Luthers Unterschrift. Fotos: gemeinfrei
  • 10.11.1483: Geburt in Eisleben
  • 1488–1501: Schulbesuch in Mansfeld, Magdeburg und Eisenach
  • 1501–1505: Jurastudium in Erfurt
  • 2.7.1505: Bekehrung (sogenanntes „Turmerlebnis“); Luther gelobt, Mönch zu werden
  • 17.7.1505: Eintritt in das Kloster der Augustiner-Emeriten in Erfurt; Aufnahme des Studiums der Theologie
  • 4.4.1507: Priesterweihe
  • 1510/11: auf einer Reise nach Rom wird Luther der Sittenverfall der Katholischen Kirche deutlich
  • 1515: erstmals öffentliche Kritik am Ablasswesen der Kirche
  • 31.10.1517: Anschlag der 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg
  • 12.–14.10.1518: in Augsburg Verhör durch den päpstlichen Gesandten Kardinal Kajetan mit der Aufforderung, seine Thesen zu widerrufen; Luther verweigert den Widerruf
  • Nacht des 21.10.1518: Flucht aus Augsburg
  • Öffentliche Zweifel an der Unfehlbarkeit des Papstes und der Konzilien führen 1521 aus dem Ausschluss aus der Kirche (Kirchenbann)
  • 18.4.1521: mit dem „Wormser Edikt“ wird über Luther der Reichsbann verhängt; Luther versteckt sich von Mai 1521–März 1522 als „Junker Jörg“ auf der Wartburg; während dieser Zeit übersetzt Luther das Neue Testament ins Deutsche
  • 1524: Luther gibt das Mönchsdasein auf
  • 1525: Heirat der ehemaligen Nonne Katharina von Bora; aus der Ehe gehen 6 Kinder hervor
  • 18.2.1546: Tod in Eisleben

Martin Luther und Augsburg

Martin Luther besuchte Augsburg in seinem Leben zweimal. Das erste Mal stattete er Augsburg 1511 einen Besuch ab – auf dem Heimweg einer Romreise.

Der zweite Aufenthalt von 7. bis 21. Oktober 1518 sollte für ihn, die Stadt und die Kirchengeschichte große Bedeutung erlangen: Nach einem zwölftägigen Fußmarsch von Wittenberg erreichte Luther am 7. Oktober Augsburg. Sein Quartier bezog er im damaligen Karmelitenkloster St. Anna, zu dem auch die heutige St. Anna-Kirche gehörte. Von 12. bis 15. Oktober wurde er von Kardinal Kajetan in Augsburg verhört. Obwohl Kajetan von Luther mehrfach den Widerruf der 95 Thesen verlangte, verweigerte dieser den Widerruf. Kajetan wollte Luther als Ketzer verhaften lassen. In der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober floh Luther durch eine Pforte in der Stadtmauer aus Augsburg – durch das sogenannte Dahinab bei St. Gallus.

Augsburg spielte auch im weiteren Verlauf der Reformation eine Rolle. Die Thesen wurden über Flugblätter verteilt, viele davon wurden in Augsburg gedruckt wurden. In Augsburg schlossen sich immer mehr Menschen dem Protestantismus an.

Am 25. Juni 1530 wurde in Augsburg die „Confessio Augustana“ verlesen: In ihr wurde der Glauben der Protestanten zusammengefasst. Bis heute ist die Confessio eine wichtige Lehrgrundlage für viele evangelische Gemeinschaften.

1555 wurde im Augsburger Religionsfrieden eine Gleichstellungen zwischen dem katholischen Glaubensbekenntnis und der Confessio Augustana beschlossen. Das Hohe Friedensfest, das jedes Jahr am 8. August als städtischer Feiertag begangen wird, erinnert bis heute daran.

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