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25. Juni 2012

Einsatz für interkulturelle Verständigung gewürdigt: Augsburger Wissenschaftspreis wurde im Goldenen Saal verliehen

Am vergangenen Montag, 18. Juni 2012, wurde im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses zum 15. Mal der „Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien“ der Universität Augsburg und des FILL e. V. “ verliehen – eine Auszeichnung, die Forschungsarbeiten von NachwuchswissenschaftlerInnen über die interkulturelle Wirklichkeit in Deutschland und den damit zusammenhängenden Fragen und Herausforderungen würdigt. Geehrt wurden die beiden Nachwuchswissenschaftlerinnen Dr. Maren Möhrig und Michaela Brosig.

Einsatz für interkulturelle Verständigung gewürdigt: Augsburger Wissenschaftspreis wurde am 18. Juni 2012 im Goldenen Saal verliehen. Von links: Dr. Peter Lindner (Vorsitzender von Fill e. V.), Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel (Präsidentin der Universität Augsburg), Michaela Brosig (Trägerin des Förderpreises / Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien), Maren Möhring (Trägerin des Hauptpreises / Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien 2012), Dr. Kurt Gribl (Oberbürgermeister der Stadt Augsburg), Prof. Dr. Eckhard Nagel (Vorsitzender der Jury Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien). Bild: S. Kerpf / Stadt Augsburg 2012.

Einsatz für interkulturelle Verständigung gewürdigt: Augsburger Wissenschaftspreis wurde am 18. Juni 2012 im Goldenen Saal verliehen. Von links: Dr. Peter Lindner (Vorsitzender von Fill e. V.), Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel (Präsidentin der Universität Augsburg), Michaela Brosig (Trägerin des Förderpreises / Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien), Maren Möhring (Trägerin des Hauptpreises / Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien 2012), Dr. Kurt Gribl (Oberbürgermeister der Stadt Augsburg), Prof. Dr. Eckhard Nagel (Vorsitzender der Jury Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien). Bild: S. Kerpf / Stadt Augsburg 2012.

 

 

Zwei Preisträgerinnen, zwei unterschiedliche Arbeiten, ein gemeinsames Ziel: Kulturelle Differenzen zu überwinden und das Verständnis zwischen verschiedenen Kulturen zu fördern. Die diesjährige Hauptpreisträgerin, Dr. Maren Möhrig, erhielt den mit 5000 Euro dotierten Preis für ihre Kölner Habilitationsschrift zum Thema „Ausländische Gastronomie. Migrantische Unternehmensgründungen, neue Konsumorte und die Internationalisierung der Ernährung in der Bundesrepublik Deutschland“. Der Förderpreis – mit 1.500 Euro dotiert -, geht in diesem Jahr an Michaela Brosig für ihre an der Freien Universität Berlin vorgelegte Magisterarbeit „Neukölln unlimited? Lebenswelten und Handlungsstrategien junger Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund“. „Wir sind stolz, dass beide unter dem Namen unserer Stadt für ihre Arbeiten ausgezeichnet wurden“, sagt Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl. Initiiert vom Stifter-Ehepaar Helmut und Marianne Hartmann, wird der Preis alljährlich gemeinsam mit der Universität Augsburg und FILL e. V. vergeben. Das Augsburger „Forum für Interkulturelles Leben und Lernen“, ist eine Initiative, die sich für internationale Völkerverständigung, kulturelle Toleranz und soziale Gerechtigkeit zwischen den Menschen verschiedener Kulturen in Augsburg und darüber hinaus einsetzt.

Wie Essgewohnheiten eine Gesellschaft prägen

Schlager, Spielfilme und Restaurants - sind neben Literatur die Quellen der Studie von Dr. Maren Möhrig. Sie möchte durch ihre Arbeit die zunehmende Internationalisierung unserer Essgewohnheiten aufzeigen und nennt konkrete Gründe für den Wandel: Einfluss hatten nicht nur die Lebensmittelindustrie und die Massenmedien sondern vorranging Migrantinnen und Migranten. Der zunehmende Massentourismus und der Wunsch Weltoffenheit durch die Wahl eines ausländischen Restaurants zu unterstreichen unterstützen diese Entwicklung. Die italienische Küche wurde zum Wegbereiter ausländischer Gastronomie und repräsentierte das südliche Flair neben der Pizzeria und den Eisdielen, auch durch die entsprechenden Schlager. Dies zeigt auf, wie sehr Essen, Ethnizität und Zugehörigkeit miteinander verwoben sind. Neben Konflikten im Zusammenleben zwischen Migranten und Deutschen zeigt sie auch den positiven, kreativen Austausch auf. "Man versteht an dieser Arbeit, wie der alltägliche Vorgang des Essens transkulturelle Qualität gewinnt und gleichermaßen eine Gesellschaft verändern kann", meint der Jury-Vorsitzende Nagel.
Dr. Maren Möhrig studierte Geschichte, Germanistik und Pädagogik in Hamburg und Dublin und promovierte danach an der LMU in München im Fach Neuere Geschichte.

Alltag und Leben junger Frauen mit Migrationshintergrund am Beispiel Neuköllns

Die Spannungen und das Konfliktpotenzial sind hoch im Stadtteil Neukölln. In dieses Gebiet begab sich Michaela Brosig zu Forschungszwecken und setzte sich dort mit dem Leben junger türkischer Mädchen und Frauen auseinander. Der Wunsch nach Anerkennung und die Suche nach Identifikation begleiten das Leben der jungen Frauen. Ein Blick auf ihren Alltag und ihre Sichtweisen wurden in der Forschung lange Zeit vernachlässigt – diese Lücke schließt die Arbeit von Brosig. Die Problematik wird schnell deutlich: In Deutschland werden die jungen Türkinnen als „Ausländerin“ bezeichnet, in der Türkei als „Almanci“. Weder Deutschland noch die Türkei bietet das Gefühl der Heimat und so ist die Suche nach Zugehörigkeit Teil des alltäglichen Lebens. Anerkennung, Respekt, Bestätigung und ein Gefühl der Heimat erfahren sie in Mädcheneinrichtungen. Der Versuch, sich der sozial-moralischen Kontrolle ihrer Umgebung und der eigenen Familie zu entziehen, lösen oft Heimlichkeiten und eine Distanz zum Elternhaus aus. „Ziel meiner Arbeit ist es, die Vielfalt dieser Thematik darzustellen und Bilder von Stereotypen aufzulösen“, sagt Michaela Brosig.
Michaela Brosig studierte Ethnologie und Neuere Geschichte an der FU und engagiert sich darüber hinaus in feministischen und antirassistischen Initiativen.

Die Gäste der Veranstaltung erlebten anregende Reden und Dialoge, die einen Weg aufzeigten zu mehr gegenseitigem Verständnis und einer Reduzierung von vorgefertigten Meinungen und Stereotypen. Ein Weg, der Hoffnung gibt, dass soziale Gerechtigkeit zwischen Menschen verschiedener Kulturen möglich ist.

Der Oberbürgermeister, Dr. Kurt Gribl gab seine hohe Achtung für die Leistung Ausdruck. Die Journalistin Angela Bachmair, als Repräsentantin von FILL e.V., würdigte mir ihrem Grußwort die beiden Preisträgerinnen. Prof. Dr. Dr. Dr h. c. Eckhard Nagel, als Jury-Vorsitzender, charakterisierte die Leistung als pionierhaft und Motivation für junge Menschen und eine neue Generation von Wissenschaftlern. Nach der Preisübergabe hielten die beiden Preisträgerinnen eine kurze Rede, in der noch einmal deutlich hervorging, dass ihre Arbeit nicht nur eine wissenschaftliche Abhandlung ist, sondern nachhaltige Veränderungen im Alltag bewirken soll.

 


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