Zwei Ausstellungen – zwei Künstler: Eine Kooperation zwischen dem H2-Zentrum für Gegenwartskunst und der Staatsgalerie Moderne Kunst macht es möglich
Gleich zwei bekannte Künstler stellen in Augsburg aus: Bernd Zimmer, im H2-Zentrum für Gegenwartskunst und Jerry Zeniuk, in der Staatsgalerie Moderne Kunst. „Zweite Natur“ trifft auf „ Elementare Malerei“ – Bernd Zimmers Werke zeigen kraftvolle, farbintensive, dichte Vegetation und üppig gemalte Urwälder, Jerry Zeniuks Werke konzentrieren sich auf monochrome Gemälde und seine im letzten Jahrzehnt geschaffenen Punktebilder. Die Ausstellungen sind vom 16. Mai bis 8. Juli 2012 zu sehen.

Dr. Corinna Thierolf, Hauptkonservatorin der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, Thomas Elsen, Leiter des H2 – Zentrums für Gegenwartskunst sowie die beiden Künstler Bernd Zimmer und Jerry Zeniuk sprechen über die gemeinsame Ausstellung. Bild: Stadt Augsburg 2012.
Bernd Zimmer und Jerry Zeniuk stellen gemeinsam aus
Eine besondere Kooperation lockt die Augsburger ins Museum: Das H2-Zentrum für Gegenwartskunst und die Staatsgalerie Moderne Kunst, eine Zweigstelle der Pinakothek der Moderne München, zeigen zeitgleich zwei Ausstellungen bekannter Künstler. Bernd Zimmer und Jerry Zeniuk, beide konnten bereits internationale Erfolge feiern. Durch die Doppelausstellung „soll ein Synergieeffekt erzeugt werden“, sagt Thomas Elsen, Leiter des H2-Zentrums für Gegenwartskunst im Glaspalast. Ziel ist es durch eine Zusammenarbeit, die Bekanntheit des Gebäudes stärker auszubauen und mehr Augsburger für Kunst zu begeistern. Bisher bietet die Besucherzahl mit ca. 15.000 pro Jahr noch potenzial nach oben und Thomas Elsen ist sich sicher, dass „die Doppelausstellung auf positive Resonanz stößt und ein großer Erfolg wird.“ Auch Dr. Corinna Thierolf, die Hauptkonservatorin der Bayerischen Staatsgemäldesammlung sagte in der Pressekonferenz im H2 Anfang der Woche, dass so „die Kräfte gebündelt werden können.“
Bernd Zimmer vor seinen intensiven Gemälden im H2 – Museum für Gegenwartskunst. Bild: Stadt Augsburg 2012.
Bernd Zimmer – zeigt Natur im umfassenden Sinn
Der Blick auf die großen Leinwände lässt den Betrachter in die Welt der Natur eintauchen. Leuchtende Grüntöne, farb- und lichtintensive Bilder – die gleichzeitig real und auch abstrakt wirken. Dichter Pflanzenwuchs, reflektierte Wasserspiegelungen, mächtige Wasserfälle - die Naturdarstellungen geben dem Betrachter nicht das Gefühl es stünde vor dem Bild, sondern im Inneren des Bildes. Beim Auftragen der Farbe auf die Leinwand, entwickelte Zimmer eine besondere Technik. Die Werke sind nicht gezeichnet, sondern Zimmer überlässt die Farben ihrem natürlichen Fluss. Sie wird nass, auf der liegenden Leinwand aufgetragen. Die Zufälligkeit, die jedes Werk dadurch erhält, ist gewünscht. „Gewollt, würde ich das so gar nicht hinbekommen, sagt Bernd Zimmer. Die Werke sehen dadurch, wie Zimmer es beschreibt, „ungewollt gewollt aus.“ In der gegenüberliegenden Staatsgalerie spielt Jerry Zeniuk auf mit Farben und Formen, jedoch weitaus ruhiger und sachlicher. Er setzte sich mit dem Zusammenwirken von verschiedenen Farbtönen auseinander.

Jerry Zeniuk, gemeinsam mit Bernd Zimmer, vor seinen Punktebildern. Bild: Stadt Augsburg 2012.
Jerry Zeniuk – Wirkung von Farbe und Form
Zeniuk will mit seiner Kunst nicht erklären müssen, sondern die Wahrnehmung des Betrachters auf die intuitive, sinnliche Wahrnehmung lenken. Diese Vorgehensweise hat Zeniuk auch, wenn er eine seiner Leinwände mit Farbe bemalt. „Ich gehe bei meiner Arbeit immer intuitiv vor“, sagt Zeniuk. Seine Gemälde zeigen die Wirkung von Farbe und Form. Sein Schaffensprozess und seine Entwicklung sind durch die Vielfalt der ausgestellten Werke erkennbar. Bilder seiner frühen Schaffensphase, in der Zeniuk verschiedene Farben, Farbkonsistenzen und Materialien verwendete, die er in meist senkrechten Bahnen übereinander schichtet, werden gezeigt. Bis zu 40 Malschichten trug es übereinander auf – übrig bleibt ein grünlich oder braun schimmerndes Grau. In den 1980er Jahren tritt wieder die leuchtende Farbigkeit in den Vordergrund. Anstelle der vielen Malschichten treten unregelmäßige, nebeneinanderliegende Flecken. Zentrale Idee dieser Arbeiten ist der Kontrast der Farben. Auch jüngere Werke, die um das Jahr 2000 entstanden sind zu sehen. Hier arbeitet Zeniuk mit den drei Grundfarben Rot, Blau und Gelb.
Kurzbiografie Bernd Zimmer:
Bernd Zimmer wurde 1948 in Plannegg bei München geboren. Zurzeit lebt und arbeitet er in Polling in Oberbayern und Monteventano in Italien. Seine künstlerische Laufbahn begann er im Jahr 1976/77. Gemeinsam mit anderen Künstlern gründete er 1977 die Galerie am Moritzplatz, in Berlin Kreuzberg, die bis 1981 bestand. Seine Arbeiten wurden erstmals mit Weiteren der sogenannten „Jungen Wilden“, im Jahr 1980 im Berliner „Haus am Waldsee“ einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Bernd Zimmer unternahm in den darauf folgenden Jahren zahlreiche Reisen, nach Bali, Java und in die Dominikanische Republik. Ein Stipendium der Villa Massimo führte ihn 1982 nach Rom, wo er fast zwei Jahre lang arbeitete und lebte. Im Jahr 2007 bezog Bernd Zimmer ein weiteres Atelier in Warthe/Brandenburg. Zahlreiche weitere Reisen beeinflussten sein künstlerisches Schaffen. Die aktuelle Ausstellung im H2-Museum für Gegenwartskunst zeigt Werke aus den Jahren 2006 – 2012.
Kurzbiografie Jerry Zeniuk:
Geboren wurde Jerry Zeniuk in Bardowick bei Lüneburg als Sohn ukrainischer Flüchtlinge. Seine Familie emigrierte 1950 in die USA. Er besuchte die University of Colorado und schloss sein Studium 1969 mit dem Master of Fine Arts ab. In den Jahren 1973/74 lebte er als freier Künstler in Hamburg und 1977 im Rahmen eines Künstler-Stipendiums in Berlin. Bis 2002 lebte Zeniuk in New York, danach zog er nach München, wo er bis heute lebt und arbeitet. Von 1993 bis 2011 hatte er eine Professur für Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in München inne.
Informationen:
Sonderausstellung:
H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast und Staatsgalerie Moderne Kunst
Bernd Zimmer: Zweite Natur
Jerry Zeniuk: Elementare Malerei
16. Mai bis 8. Juli 2012
Kunstsammlungen und Museen Augsburg
H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast
Staatsgalerie Moderne Kunst
Beim Glaspalast 1
D-86153 Augsburg
E-Mail: h2-zentrumfuergegenwartskunst@augsburg.de
T +49 (0) 821 / 324 41 69 oder -41 55
F +49 (0) 821 / 324 40 97
Öffnungszeiten:
Montag: geschlossen
Dienstag: 10.00 – 20.00 Uhr
Mittwoch – Sonntag: 10.00 – 17.00 Uhr
Führungen immer Sonntags um 11.00 Uhr
Website:
Website H2 – Museum für Gegenwartskunst - www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de/index.php?id=19883
Informationen Staatsgalerie Moderne Kunst Augsburger Glaspalast - http://www.pinakothek.de/node/5219
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