deutsche Version
version francaise
english version
versione italiana
 Start Aktuelles
>> Beitrag

Beitrag

14. März 2012

Theater-Container heißt ab sofort "Brechtbühne". Interview mit dem Architekten Gerhard Bestler und dem Pressesprecher des Theaters Philipp Peters

In weniger als zwei Monaten ist es so weit. Dann öffnet die neue Interimsspielstätte ihre Türen erstmalig für Besucher. Die Onlineredaktion von augsburg.de sprach dazu mit dem Pressesprecher und Leiter der Kommunikation des Augsburger Theaters Herrn Philipp Peters sowie mit dem Architekten der Interimsspielstätte Herrn Gerhard Bestler über die Fortschritte des Baus und was die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Augsburg in der neuen Spielstätte erwartet und wollte außerdem wissen, weshalb die Interimsspielstätte jetzt brechtbühne getauft wurde.

Die neue brechtbühne entsteht direkt neben dem Großen Haus. Bild: Stadt Augsburg 2012.

 

Herr Peters, lange Zeit wurde die neue Interimsspielstätte als Container bezeichnet. Jetzt bekam die Spielstätte den Namen brechtbühne. Warum entschied das Augsburger Theater sich für diesen Namen? 

„Die Namensfindung war ein langer Prozess, an der viele Personen beteiligt waren. Aus einer Aktion mit der Augsburger Allgemeinen gingen allein über 200 Vorschläge von Lesern ein. Es war ein Wunsch des Theaters, Brecht mit dem Namen der neuen Spielstätte in Verbindung zu setzen. So hat sich am Ende eine Kommission unter dem Vorsitz von Kulturbürgermeister Peter Grab, der Theaterleitung, Vertretern der Parteien und der Theaterfreundeskreise einstimmig auf den Namen brechtbühne verständigt.“

Herr Bestler, sie betreuen als Architekt den Bau der neuen Interimsspielstätte des Theater Augsburg. Wie gehen die Bauarbeiten voran und können sie planmäßig abgeschlossen werden?

„Wir sind sehr froh sagen zu können, dass die Bauarbeiten planmäßig abgeschlossen werden können. Die erste Aufführung ist für den 1. Mai 2012 geplant und der Aufführung steht von unserer Seite nichts im Wege. Bereits Mitte April kann die neue Spielstätte an das Theater übergeben werden. Das ist notwendig, damit die Proben rechtzeitig beginnen können. Parallel dazu kümmern wir uns um die Feinabstimmung der Technik. Es beginnt dann ein sogenannter Probelauf, damit bei der ersten Aufführung alles optimal aufeinander abgestimmt ist.“

Herr Bestler, die Außenfassade ist bisher noch nicht montiert. Was erwartet die Augsburger Bürger hier? Können Sie die Fassade der neuen Spielstätte beschreiben?

„Die Fassade wird wie ein Vorhang aussehen. Dieser besteht jedoch nicht aus Stoff, sondern aus geschwungenen Aluminiumelementen in rubinroter Farbe. Sobald es dunkel wird, bestrahlen Scheinwerfer von oben die einzelnen Elemente. Über die Gestaltung der Fassade wurde viel diskutiert, bis der passende Entwurf gefunden war. Es freut uns, dass die Fassade von Mitarbeitern unseres Büros gestaltet wurde. Der Bühnenvorhang beim Theater diente uns bei der Gestaltung als Inspiration und Ideengeber.
Den Eingangsbereich gestaltet eine 5,50 m lange Glasfront, in die eine Glasschiebetüre
integriert ist.“

Herr Bestler, wie lange dauerte der Bau der neuen Spielstätte und was war bei der Konzeption für ein Theater besonders zu beachten?

„Der erste Beton wurde Mitte September 2011 gegossen. Die Bauzeit wird insgesamt nur sieben Monate dauern. Darauf sind wir besonders stolz. Ermöglichen konnten wir das durch eine gute Vorbereitung und die rechtzeitige Bestellung der Materialien. 
Bei der Konzeption und beim Bau mussten natürlich einige Besonderheiten beachtet werden. Neben der Versammlungsstättenverordnung waren ebenso die Einhaltung der Brandschutzbestimmungen, die Be- und Entlüftung sowie die Akustik entscheidend. Darauf legten wir besonderen Wert, denn ein guter Klang ist in einer Spielstätte wichtig. Erfahrungen konnten wir schon bei den Umbauarbeiten im Großen Haus sammeln, als hier die gesamte Bühnentechnik erneuert wurde. Trotzdem ist das Projekt schon etwas Besonderes, denn ein Theater baut man nicht alle Jahre.“

 

Der Architekt der neuen Brechtbühne, Gerhard Bestler, spricht vor Ort über die neue Spielstätte. Bild: Stadt Augsburg 2012.

Der Architekt der neuen Brechtbühne, Gerhard Bestler, spricht vor Ort über die neue Spielstätte. Bild: Stadt Augsburg 2012.


Herr Peters, welche Veränderungen bringt der Bau der neuen Interimsspielstätte für die Zuschauer und das Ensemble mit sich?

„Die neue Interimsspielstätte bringt für die Zuschauer und auch für das Ensemble viele Vorteile mit sich. In den letzten zwei Jahren spielten wir auf dem Dierig-Gelände in einer Lagerhalle und in den Räumen des Bayerischen Textil- und Industriemuseums (tim). Beides sind Räumlichkeiten, die nicht für Theateraufführungen konzipiert sind. Demnach gab es dort für das Publikum und auch für die Schauspieler große Einschränkungen. Für die Schauspieler befand sich zum Beispiel die Garderobe bei Dierig in einem anderen Gebäude, ungefähr 100m entfernt von der Spielstätte. Gerade im Winter oder bei Regen ist das eine belastende Situation für die Schauspieler. Bereits geschminkt und in ihren Kostümen mussten sie über die Straße zur Bühne laufen. Weniger wünschenswert war auch die Tatsache, dass die Schauspieler auf dem Weg in die Spielstätte teilweise auf das Publikum trafen. Wir hätten uns das auch anders gewünscht, nur leider ließ sich das nur so einrichten. Für eine kurze Zeit war die Situation sicherlich in Ordnung, jedoch wäre das längerfristig kein annehmbarer Zustand gewesen. 
Auch für die Zuschauer gab es einige Einschränkungen. Zum Beispiel war bei Dierig kein Catering vorhanden, es gab kein Foyer zum Verweilen der Besucher und auch die Situation der sanitären Einrichtungen war nicht sonderlich komfortabel. Auch die Tatsache, dass die Sitzplätze keine Nummerierung hatten, war nicht zufriedenstellend. Das hatte zur Folge, dass die Besucher immer schon sehr früh eintrafen, um einen guten Platz zu bekommen. Die Besucher und Abonnenten sind es aber gewohnt, dass sie feste Sitzplätze erhalten. In einem zweiten Schritt konnten wir das auch umsetzen, jedoch war das mit großem Aufwand verbunden. Insgesamt mussten wir sehr stark improvisieren. Das wird sich mit der neuen brechtbühne umfassend verbessern.“

Herr Peters, welcher Mehrwert ergibt sich durch die neue Spielstätte für den Standort Augsburg?

„Die neue Spielstätte bedeutet in vielerlei Hinsicht einen Mehrwert für den Theaterstandort Augsburg. Gründe sind zum einen die Tatsache, dass die Interimsspielstätte brechtbühne so dicht beim Haupthaus liegt. Daraus ergeben sich vor allem in finanzieller, personeller und zeitlicher Art große Einsparmöglichkeiten. Das beginnt damit, dass die neue Spielstätte eine Probebühne beinhaltet. Wir können jetzt die teuer angemietete Probebühne, die sich im Siemens Technopark befindet, aufgeben. Dadurch sparen wir auch hier wieder Geld und vor allem Zeit. Denn die Proben finden bei uns morgens und abends statt, durch die neuen Proberäume fallen die langen Anfahrtswege für die Künstler weg. 
Auch für die Zuschauer und die Stadt ergibt sich ein Mehrwert durch die Vereinigung dreier Spielstätten (Großes Haus, brechtbühne und Hoffmann-Keller) an einem Ort. Die Konzentration gleich dreier Spielstätten erhöht die Attraktivität und Vielseitigkeit des Standortes, man kann geradezu von einem Theater-Viertel sprechen.“ 

Noch eine letzte Frage Herr Peters, wie viele Besucher kann die brechtbühne fassen?

„In der neuen Spielstätte werden 260 Sitzplätze zur Verfügung stehen. Das ist dieselbe Anzahl, wie in der früheren Komödie und auch im Textilmuseum.“ 

 

Eine Bildergalerie von der Eröffnung der brechtbühne am 27. April 2012 befindet sich hier: http://www.flickr.com/photos/augsburgontour/sets/72157629582985206/  (Hinweis: Dabei handelt es sich um eine externe Yahoo-Flickr-Galerie.)


Diskutieren Sie mit auf Facebook

Diskutieren Sie mit:
www.facebook.com/augsburgbuergerinfo *

* Hinweis: Bei Facebook handelt es sich um einen externen Link.