
„Aber jetzt schreibe ich Filme“ – ab 1920 entwirft Bertolt Brecht zahlreiche Filmstoffe, arbeitet Drehbücher aus und beschäftigt sich mit Filmregie. Mit Karl Valentin schuf er einen Stummfilmklassiker, Kuhle Wampe ist der Prototyp des Arbeiterfilms, Hangmen Also Die zählt heute zu den bedeutendsten amerikanischen antifaschistischen Filmen.
Viele seiner Filmideen wurden von anderen aufgegriffen, in Hollywood war er als Skriptwriter erfolgreicher, als bisher angenommen. Nicht zuletzt aus seinen Theaterstücken entstanden immer wieder Meilensteine des Films. Damit ist Brecht ist der meistverfilmte Autor überhaupt. Aber nicht nur seine Stoffe, auch seine theoretischen Überlegungen prägen bis heute Regisseure wie Lars von Trier oder Volker Schlöndorff.
Brecht öffnete sich auch anderen Massenmedien, die in seiner Zeit noch in den Kinderschuhen stecken. In der Auseinandersetzung mit dem Radio forderte er, das Publikum aus der rein rezipierenden Situation zu befreien. Kunst soll nach Brecht unterhalten, den Einzelnen aber auch zum aktiven Teilnehmer machen. Im Zeitalter des Web 2.0 sind Brechts Medientheorien aktuell wie nie: Der „User“ hat den passiven Konsumenten abgelöst.
Unterhaltende Veranstaltungen (Konzerte, Filmvorführungen, Theaterabende, Slams) und Diskussionen mit Schauspielern, Regisseuren und Experten machen beim Brechtfestival Augsburg 2010 diese Aktualität greifbar; in experimentellen und interaktiven Formaten wie Workshops und Wettbewerben wird Brechts Werk gattungsübergreifend auf dem Festival selbst fortgeschrieben. Der größte Universalist der deutschen Literatur wird damit in Augsburg wieder lebendig.


