Säule 5: Wohnen in besonderen Lebenslagen

Im Sozialreferat der Stadt Augsburg sind die Zuständigkeiten zur Förderung von Wohnraum, zur Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen der Mieter/Wohnungsnutzer und zur Unterstützung von Personen, die Hilfe beim Thema Wohnen benötigen angesiedelt. Im Einzelnen geht es um folgende Bereiche:

Förderung von Personen, die auf Unterstützung angewiesen sind

Für Menschen, die auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind ist besonders wichtig, dass sie als Mieter überhaupt akzeptiert werden, insbesondere wenn sie z.B. einen Schufa-Eintrag haben. Hier sind Jobcenter und das Amt für soziale Leistungen (ASL) intensiv in Abstimmung, damit möglichst dem Vermieter die Miete aus Sozialhilfe überwiesen wird, damit die betroffenen Personen Wohnraum mieten können. Dazu gehört ggf. auch die Gestellung einer Kaution oder einer Erstausstattung nach der Regelung des Sozialgesetzbuchs.

In der gleichen Zusammenarbeit gilt es die Wohnungslosigkeit zu vermeiden bzw. Zwangsräumungen, wo möglich abzuwenden, weil die betroffenen Personen sonst als Obdachlose in die Verantwortung der Stadt fallen.

Im ASL wird auch das Wohngeld gewährt für die Personenkreise, die zwar keine Sozialhilfeberechtigung haben aber dennoch aufgrund ihres Einkommens Zuschüsse zur Anmietung von Wohnraum benötigen (sogenannte Geringverdiener). Das Wohngeld wurde im Jahr 2016 bundesweit angehoben, wodurch derzeit wieder mehr Personen in den Genuss des Wohngeldbezugs kommen (im Dezember 2016: 2087 Leistungsempfänger).
Daneben gibt es den sogenannten Wohnberechtigungsschein beim WoStA für sozialbedürftige Personenkreise zum Erhalt einer freien zweckgebundenen Wohnung für diese Personenkreise.  
 

Unterbringung von Wohnungslosen und Flüchtlingen

Die Stadt hat einen eigenständigen Fachbereich „Wohnen und Unterbringung“ im Zuge der Unterbringung von Flüchtlingen geschaffen. In dem Zusammenhang wurden 40 Objekte zur dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen angemietet. Etwa 1.050 Menschen hat die Stadt derzeit auf diese Weise untergebracht.

Im Fachbereich „Wohnen und Unterbringung“ ist auch die städtische Obdachlosenunterbringung verortet. Die Stadt geht von 400 bis 1.000 Wohnungslosen aus, d.h. Menschen, die keinen eigenen Mietvertrag haben. Die letzte Anlaufstelle für Menschen, die überhaupt kein Obdach haben, ist die Obdachlosenunterkunft in der Joh.-Rößle-Straße. Diese wird heuer saniert.

Daneben hält die Stadt 80 Wohnungen für Wohnungslose vor, die weitgehend belegt sind und in denen Menschen, häufig auch Familien, befristet bleiben können, bis sie wieder einen dauerhaften Wohnraum gefunden haben. Auch von diesen Wohnungen wird in 2017 ein Teil saniert. Weitere Schritte zur Reformierung des Obdachlosensystems werden folgen und sind für Mai im Sozialausschuss eingeplant.

Voraussetzung für eine feste Wohnungsaufnahme ist jedoch, dass diese Personenkreise auch „wohnfähig“ sind. Dazu wird durch den Fachbereich auch die nötige Betreuung organisiert. Am Beispiel der Flüchtlinge werden derzeit „Wohnbefähigungskurse“ durchgeführt, um Menschen den Umzug in eine eigene Wohnung zu erleichtern und Stresspotenzial zu vermeiden.

Wo Wohnungslose sich schwer tun, eine eigene Wohnung zu finden, hilft der Fachbereich. Beispielhaft wurde auf diese Weise kürzlich erreicht, dass ein Vermieter in Pfersee 6 Wohnungen mit 24 Wohnplätzen für Wohnungslose bereitgestellt; die ehemaligen Wohnungslosen haben nunmehr einen eigenen Mietvertrag und der Vermieter hat in Problemsituationen einen Ansprechpartner bei der Stadt und bei einem Träger.
 

Förderung besonderer Wohnformen

Ebenso im WoStA angesiedelt ist die Förderung besonderer Wohnformen wie z.B. von Altenheimen oder Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderung. Die Stadt unterstützt hier im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Schaffung von besonderen Wohnformen; eine Besonderheit ist die „Kontaktstelle Wohnen“ für Personenkreise, die ein individuelles Gemeinschaftswohnprojekt schaffen wollen.

Personenkreise, die einen besonderen Wohnbedarf haben wie z.B. Menschen mit Behinderung, werden ebenso unterstützt. Geschätzt wird, dass aufgrund der UN-Behindertenhilfskonvention ca. 500 Wohnplätze in Augsburg fehlen; bisher waren diese Personenkreise „exkludiert“ in Dillingen oder Ursberg wohnhaft; nun sollen für Augsburger die entsprechenden Wohnformen auch in Augsburg selbst zur Verfügung stehen. Eine Reihe von Neubau- oder Umnutzungsprojekten für Menschen mit Behinderung in Augsburg ist derzeit im Entstehen, darunter auch der Südflügel im Jakobs-Stift, der entsprechend vermietet werden soll.

Eine weitere Personengruppe, die sich schwer tut am Wohnungsmarkt, sind die psychisch Kranken, weil sie häufig nicht erwerbsfähig sein können und zudem eine zumindest ambulante Betreuung benötigen. Die Stadt unterstützt den Ausbau dieser Hilfssysteme, u.a. wird die WBG 2 benachbarte Häuser zur Einrichtung „Am Eser“ für entsprechende Wohngruppen zur Verfügung stellen.

Daneben tun sich vor allem Familien, Geringverdiener, Alleinerziehende, anerkannte Flüchtlinge, Strafentlassene, oder auch junge Menschen, die z.B. aus der stationären Jugendhilfe ausziehen wollen schwer, adäquaten Wohnraum zu finden. Für letztere hat die Stadt bereits die Blücherstraße 89 umgebaut, wo 15 Appartments für sogenanntes „Jugendwohnen“ bereit stehen. Weitere Projekte sind in Planung.

Schließlich sind durch die älter werdende Gesellschaft und den Grundsatz „ambulant vor stationär“ immer mehr alte Menschen an barrierefreiem Wohnraum in ihrem Quartier interessiert. Mit dem Angebot der Wohnraumberatung für Wohnraumanpassung hilft der Fachbereich Sozialplanung älteren und pflegebedürftigen Menschen, ihre Wohnung barrierefrei umzugstalten. im In einem Modellprojekt versucht die WBG eigene Mieter im Bärenkeller in die barrierefreien Neubauten umziehen zu lassen, die hierauf angewiesen sind. Hier ist ein Vorteil, dass Neubauten in der Regel barrierefrei sind, bei gefördertem Wohnraum zu 100 %.
  

Beratungsangebote, Wohnbüro im Jakobsstift

Die Stadt unterstützt zahlreiche Einrichtungen und Angebote bei Trägern wie der Stadt selbst um Menschen in besonderen Lebenslagen Beratung anzubieten (z.B. Schuldnerberatung, Sozialpaten, Beratungen durch SKM/SKF, etc.).
Eine spezielle Anlaufstelle hat auch die Stadt selbst (Wohnhilfeprojekt), die derzeit jedoch noch offiziell in der Obdachlosenunterkunft in der Joh.-Rößle-Straße untergebracht ist.

Ziel ist es nunmehr im sogenannten Wohnbüro alle Beratungs- und Hilfsangebote im Zusammenhang mit städtischen und nichtstädtischen Leistungen in einer zentralen Anlaufstelle, dem Wohnbüro, anzubieten. Hierfür wurde bereits im Dezember der Grundsatzbeschluss zur Anmietung der entsprechenden (stiftungseigenen) Räume im ehemaligen Jakobs-Stift gefasst. Alle städtischen Dienststellen, die mit Wohnen und entsprechender Unterstützung von Nutzungen zu tun haben, werden dort konzentriert, um die Wege für Hilfesuchende zu vereinfachen und den Austausch zwischen den Dienststellen zu optimieren.

Das Jakobs-Stift wird derzeit für diese Verwaltungsaufgaben hergerichtet und kann voraussichtlich im Laufe des Jahres 2018 seinen Betrieb aufnehmen. Dann werden dort folgende Einheiten anzutreffen sein:

  • Wohnhilfeprojekt inklusive der Mietschuldenübernahme / Wohnbüro
  • Wohngeldstelle
  • Wohnberechtigungsschein
  • Fachbereich „Wohnen und Unterbringung“
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