Radverkehr. Quelle: pac

Radverkehr – Augsburg radelt in Richtung Fahrradstadt 2020

Die Ausgangslage ist günstig: Augsburgs topografische Voraussetzungen sind für die Nutzung des Fahrrades ideal. Alle Ziele im Stadtgebiet liegen in einer mit dem Rad gut erreichbaren Entfernung. Ein einstimmiger Beschluss des Stadtrats im November 2012 gibt das Ziel vor: Bis ins Jahr 2020 soll der Anteil des Radverkehrs von 15 Prozent (2011) auf mindestens 25 Prozent steigen. Klar ist auch: Radfahren in der Stadt soll vor allem Spaß machen. Mit Bürger-Workshops und Runden Tischen wird im Lauf des Jahres 2014 geklärt, welche Ziele man erreichen möchte und auf welchem Weg. Dabei stützt sich der Prozess auf vier Säulen der Radverkehrsförderung: Infrastruktur, Information, Kommunikation und Service.

„Augsburg ist schon auf einem guten Weg“, macht Dr. Ralf Kaulen Mut. Sein Büro für Verkehrs- und Stadtplanung (Aachen) begleitet die Umsetzung im Auftrag der Stadt. Derzeit wird eine  detaillierte Bestandsaufnahme erstellt. Positive Zwischenbilanz: Seit zehn Jahren bereits gibt es ein funktionierendes und flächendeckendes Wegeleitsystem. Wichtige Lückenschlüsse der Radwege-Achsen werden, wie etwa in der Karlsstraße, gerade baulich in Angriff genommen. Es gibt zudem bereits ein Verleihsystem für Räder und eine bewachte Fahrradstation am Hauptbahnhof.

Allgemeine Ziele des Projekts Fahrradstadt 2020

Das Projekt Fahrradstadt 2020 geht zurück auf eine Initiative des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Augsburg und des Fachforums Verkehr der Lokalen Agenda 21. Bis zum Jahr 2020 soll sich Augsburg zu einer fahrradfreundlichen Kommune weiterentwickeln.

  • Der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen soll von 15 Prozent im Binnenverkehr bis zum Jahr 2020 auf mindestens 25 Prozent steigen. Die Verlagerungen sollen nicht zu Lasten des ÖPNVs gehen.
  • Stärkung des Fahrrads als Verkehrsmittel im Alltag
  • Erhöhung der Verkehrssicherheit

Um diese Ziele zu erreichen, werden vor allem in den folgenden Bereichen Maßnahmen erforderlich werden:

  • Erweiterung und Lückenschlüsse in der Infrastruktur: In den vergangenen Jahren entstanden bereits viele Radwegverbindungen. Allerdings bestehen immer noch Lücken auf Hauptachsen, die zeitnah zu beseitigen sind. Die Belange des Radverkehrs sollen bei ggf. erforderlichen Abwägungsentscheidungen mit höherer Priorität berücksichtigt werden, ohne dass dies die Belange des Fußgängerverkehrs beeinträchtigt.
  • Erweiterung und Erhalt der bestehenden Infrastruktur: Große Teile des bestehenden Radwegenetzes sind bereits vor längerer Zeit errichtet worden, so dass hier verstärkt Unterhaltsmaßnahmen stattfinden müssen, um eine sichere und komfortable Befahrbarkeit auch zukünftig gewährleisten zu können. Außerdem ist eine Überprüfung von bestehenden Radverkehrsanlagen dahingehend vorzusehen, ob sie den heutigen Anforderungen noch genügen oder Anpassungen vorzunehmen sind. Allerdings haben hier Lückenschlüsse im Radwegenetz mit höherer Priorität zu erfolgen.
  • Radverkehrsführung in Baustellen: Bei Baustellen sollte zukünftig nachdrücklich auf eine ausreichende Berücksichtigung der Belange des Radverkehrs geachtet werden. Eine derartige Maßnahme ist im Wesentlichen ohne Kosten für die Stadt realisierbar, führt aber gleichzeitig zu deutlichen und wahrnehmbaren Verbesserungen für Radfahrerinnen und Radfahrer.
  • Fahrradfreundliches Klima: Förderung durch ein ansprechendes Marketingkonzept, Bürgerinformationen sowie die Zusammenarbeit unter anderem mit örtlichen Verbänden und dem Handel.

Umfrage zum Projekt Fahrradstadt 2020: Erste Ergebnisse

Insgesamt 2312 Augsburger haben an der Befragung zum Projekt Fahrradstadt 2020 teilgenommen. Die Umfrage lief vom 3. Februar bis 3. März 2014. Das Ergebnis: „Radfahren in Augsburg macht Spaß, aber…“. 

Die Daten werden in einem statistischen Bericht zusammengefasst und Teil der Dokumentation zum Gesamtprojekt. Hier ein Überblick und eine erste Analyse der Antworten.

 

Allgemeine Zufriedenheit

Augsburgern macht Radfahren grundsätzlich Spaß, obwohl sie sich als Verkehrsteilnehmer nicht akzeptiert fühlen.

 

Sicherheit

Konflikte mit Kraftfahrzeugen treten häufiger auf als mit Fußgängern. Teilweise bestehen noch erhebliche Defizite beim subjektiven Sicherheitsempfinden. In den kommenden Wochen wird ausgewertet, ob Zusammenhänge zu Fahrstrecken bestehen.

 

Komfort

Die Radverkehrsführung an Baustellen und Knotenpunkten ist zu verbessern. Im Wohnumfeld fehlen oft geeignete Abstellanlagen.

 

Stellenwert des Radverkehrs

Das Projekt Fahrradstadt 2020 wird als Maßnahme zur Förderung des Radverkehrs anerkannt. Bei der Überwachung des Straßenverkehrs als auch beispielsweise bei der Berücksichtigung des Radverkehrs an Lichtsignalanlagen besteht noch Handlungsbedarf.

 

Infrastruktur und Radwegenetz

Die Erreichbarkeit des Zentrums mit dem Fahrrad beurteilten die Befragten mehrheitlich als gut – im Gegensatz zur Durchquerung der Innenstadt. Im Zuge der Netzplanung muss dieser Umstand berücksichtigt werden. Mit Fertigstellung der Ost-West-Achse wird sich die Situation in der Innenstadt zudem entspannen – davon gehen die Verantwortlichen aus. Das flächendeckende Wegweisungssystem, welches seit über zehn Jahren besteht, ist beim Nutzer nicht entsprechend bekannt oder akzeptiert. Viele Radfahrer kennen und nutzen allerdings Wege abseits der Hauptverkehrsstraßen.

 

Vernetzung des Radverkehrs mit Personennahverkehr

Viele Radfahrer – insbesondere Inhaber von Zeitkarten – würden ihr Fahrrad in Bus und Bahn gerne mitnehmen. An Haltestellen werden weitere, hochwertige Abstellanlagen benötigt. Der Bedarf an öffentlichen Leihautos ist gering.

 

„In welchem Straßenabschnitt fühlen Sie sich als Radfahrer besonders unsicher und gefährdet?“

Am häufigsten wurden folgende Straßen genannt:

Straße

Anzahl (absolut, in %)

Augsburger Straße159, 4,24 %
Hermannstraße 142, 3,78 %
Grottenau 134, 3,57 %
Karlstraße 105, 2,80 %
Pferseer Unterführung104, 2,77 %

Die am häufigsten genannten Probleme waren:

Problem

Anzahl (absolut, in %)

Konflikt mit Kfz 226, 16,14 %
Abbiegen  129,  9,21 %
Oberfläche  121,  8,64 %
Keine Radverkehrsanlage 111,  7,93 %
Engstelle 108,  7,71 %
 

„In welchem Straßenabschnitt und zu welcher Uhrzeit werden Radwege häufig verkehrswidrig von Kfz zugeparkt?“

Folgende Straßen sehen die Bürger als besonders problematisch an:

Straße

Anzahl (absolut)

Jakober Straße82
Alter Postweg 55
Gögginger Straße 51
 

Und die nächsten Jahre?

Die Antworten auf die Frage nach den Handlungsschwerpunkten in den nächsten Jahren machen deutlich, dass der Ausbau der Infrastruktur an erster Stelle stehen sollte, gefolgt von der Radverkehrsführung an Kreuzungen. Dabei sind die Aspekte der Verkehrssicherheit und des Komforts zu berücksichtigen. Auch Unterhalt und Reinigung der Radwege sind wichtige Themen.

Wer hat teilgenommen?

Insgesamt 2312 Augsburger haben sich an der Befragung zum Projekt Fahrradstadt 2020 beteiligt – bevorzugt online. Vielen Dank fürs Mitmachen!

Projektbegleitender Arbeitskreis

Das Projekt Fahrradstadt 2020 wird von einem Arbeitskreis aus Politik, Verwaltung und Interessensvertretern begleitet. Im Arbeitskreis werden vorab die einzelnen Planungsschritte und Ergebnisse diskutiert, um den weiteren Projektverlauf festzulegen und die Grundlagen für die Beschlussfassungen im Stadtrat vorzubereiten.

Im Arbeitskreis sind vertreten:

Politik:

  • Stadtratsfraktion CSU
  • Stadtratsfraktion SPD
  • Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
  • Stadtratsfraktion AfD
  • Stadtratsfraktion CSM
  • Ausschussgemeinschaft FW/Linke/Polit-WG/ÖDP
  • Ausschussgemeinschaft Pro Augsburg/WSA

Verwaltung:

  • Referat 1, Wirtschaftsförderung
  • Referat 6
  • Referat Oberbürgermeister, Gleichstellungsbeauftragte
  • Medien- und Kommunikationsamt
  • Umweltamt
  • Stadtplanungsamt
  • Tiefbauamt
  • Tiefbauamt, Radverkehrsbeauftragter
  • Tiefbauamt, Abt. Straßenverkehr
  • Stadtwerke Augsburg Seniorenbeirat

Interessensvertreter:

  • ADFC Augsburg
  • Polizei
  • Lokale Agenda 21, Fachforum Verkehr
  • Bürgeraktion Pfersee
  • Einzelhandelsverband Industrie- und Handelskammer Schwaben

Hier finden Sie der Ergebnisse der Arbeitskreissitzungen:

    Netzplan

    Wesentliches Kriterium eines attraktiven Radverkehrssystems ist ein durchgehend sicheres Radverkehrsnetz. Im Rahmen der Fortschreibung des Gesamtverkehrsplans 1998 wurde das Radverkehrsnetz von 1992 weiterentwickelt. Im Rahmen des Projektes „Fahrradstadt 2020“ erfolgt nun eine erneute Fortschreibung und Anpassung an die zukünftigen Anforderungen.

    Die Beseitigung von Lücken und Schwachstellen (Zustand, ungünstige Führung…) nimmt deshalb einen großen Stellenwert in der Radverkehrsplanung und deren Umsetzung ein. Die Netzplanung erfolgt gemäß den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen ERA 2010 und sieht verschiedene Klassifizierungen des Radverkehrsnetzes vor. Diese ist vergleichbar mit der Einteilung in Hauptverkehrsstraßen, Haupterschließungsstraßen und Nebenstraßen.

    Für das Radverkehrsnetz sind folgende Klassifizierungen vorgesehen:

    • Innergemeindliche Radhauptverbindung; IR III: Verbindung von Stadtteilzentren zum Hauptzentrum und zwischen Stadtteilzentren
    • Innergemeindliche Radverkehrsverbindung; IR IV: Verbindung von Stadtteilzentren zum Hauptzentrum der Mittel- und Grundzentren, Verbindung von Stadtteil-/Ortsteilzentren untereinander sowie zwischen Wohngebieten und allen wichtigen Zielen
    • Überregionale Freizeitverbindungen
    • Kommunale Freizeitverbindungen

    Für diese Netzelemente sind verschiedene Ausbaustandards vorgesehen. Der Netzplan wurde im Februar 2015 vom Stadtrat beschlossen. Auf der Grundlage des zukünftigen Netzplanes werden nun die notwendigen Um- und Ausbaumaßnahmen geplant und für die nächsten Jahre zur Umsetzung vorbereitet.

    Bürgerdialog zum „Projekt Fahrradstadt 2020“ wird fortgesetzt

    Augsburg macht sich auf den Weg, Fahrradstadt zu werden. Aus der Umfrage zum Projekt „Fahrradstadt 2020“ im Februar 2014 wurde eine Vielzahl von Anregungen gewonnen, die Augsburgs Bürger jetzt gemeinsam mit der Stadtverwaltung vertiefen. Am 2. Juli fand dazu ein Workshop statt.

    In drei themenbezogenen Arbeitsgruppen diskutierten rund 50 Teilnehmer die Bereiche Infrastruktur, Information und Kommunikation sowie Service für den Radverkehr. Dr. Ralf Kaulen, Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen, und Vertreter der Stadt begleiteten den Workshop.

    Die Ergebnisse des Workshops liegen jetzt in einer ausführlichen Dokumentation vor.

    Gestern, heute und morgen – Entwicklung des Radverkehrs

    Bereits 1978 wurden im Gesamtverkehrsplan eine Reduzierung des Individualverkehrs und die Errichtung sicherer Verkehrswege für den Radverkehr formuliert. Grundlegende Zielsetzungen zum Radverkehr sind außerdem im Umweltbericht und dem Umweltprogramm aus den Jahren 1993/94 dargelegt.

    Auch im Luftreinhalteplan, dem Lärmaktionsplan 2008 mit Fortschreibung sowie dem Nachhaltigkeitsbericht 2010 wird der Radverkehr als wesentliches Element zur Verringerung der Umweltbelastung sowie zur Erhöhung der Aufenthalts- und Lebensqualität in der Stadt gesehen.

    Die Fortschreibung des Gesamtverkehrsplans 1998 sieht eine weitere Stärkung des Radverkehrs durch den Ausbau bedeutender Radwegachsen, Verbesserungen im Radwegenetz und begleitende Öffentlichkeitsarbeit vor.

    Heute ist es Ziel, Augsburg bis zum Jahr 2020 zu einer fahrradfreundlichen Kommune weiterzuentwickeln und teilweise seit langem vorhandene Ideen und geplante Projekte zur Umsetzung zu bringen.

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