Referat 5 – Kulturreferent Thomas Weitzel

Halbzeit in der Stadtrats-Periode. In seiner Bilanz spricht Kulturreferent Thomas Weitzel über die Theatersanierung, die UNESCO-Bewerbung – und über den „Augsburger Weg“.

10 Fragen an Kulturreferent Thomas Weitzel

Ihre Ziele:

Mit welchen Zielen sind Sie 2014 in Ihrem Referat gestartet?

Thomas Weitzel: Bei meinem Amtsantritt standen zunächst drei Projekte im Vordergrund, die in eine konkrete Umsetzungsphase gebracht werden sollten: die Theatersanierung, die Entwicklung des Gaswerks zu einem Kreativareal sowie der Start einer nachhaltig ausgerichteten und auf mehreren Bausteinen basierenden Kulturentwicklungsplanung. Hinzu kam die UNESCO-Bewerbung, bei der wir im Juni 2014 auf den 3. Platz der Tentativliste der Deutschen Kultusministerkonferenz rückten. Dies war mit der Auflage verbunden, im Februar 2018 das Nominierungsdossier und den Managementplan bei der Welterbe-Kommission in Paris einzureichen. Für all diese Vorhaben galt und gilt immer noch, das Kulturreferat strukturell auszubauen, um die Projekte zielgerichtet und professionell umsetzen zu können.
 

Ihre Erfolge:

Was haben Sie in den vergangenen drei Jahren schon erreicht?

Thomas Weitzel: Sowohl das Stadtarchiv und die Stadtarchäologie konnten als Baumaßnahmen termingerecht und innerhalb des Budgets abgeschlossen werden.
Darüber hinaus konnten im Sinne der Bürgermitwirkung zwei Beteiligungsverfahren zum Gaswerk und zur Theaterlandschaft durchgeführt werden.

Im Bereich der Erinnerungskultur konnte mit dem „Augsburger Weg“ ein Kompromiss für ein dezentrales Erinnern an die Opfer des NS-Regimes gefunden werden. Dieser „Augsburger Weg“, ermöglicht allen Angehörigen eine würdige Form der Erinnerung im öffentlichen Raum. In diesem Zusammenhang ist es auch gelungen, für diesen neuen Bereich künftig einen Ansprechpartner in der Stadtverwaltung als Schnittstelle zu den Initiativen der Erinnerungskultur zu schaffen.

Für das Theater konnten nach der Bürgerbeteiligung die Grundsatzbeschlüsse für die Sanierung des Großen Hauses wie für die Gesamtkonzeption mit Werkstätten und einer Multifunktionsbühne getroffen werden, damit die Baumaßnahme im Sommer 2017 beginnen kann.

Von der Intendanz wurden darüber hinaus für den Kaufmännischen Direktor sowie den Generalmusikdirektor des Theaters, den neuen Leiter des Kurhauses und den neuen Leiter des Brechtfestivals wie des Mozartbüros wichtige Personalentscheidungen getroffen. Sie werden das Kulturleben in Augsburgs den nächsten Jahren entscheidend prägen.
 

Ihre Projekte:

Was waren Ihre wichtigsten Projekte in den letzten drei Jahren?

  • Die Theatersanierung inkl. der Bewältigung der durch die vorzeitige Schließung ausgelösten Interimssituation.
  • Die Entwicklung des Gaswerkareals für die Mieter des Kulturpark West.
  • Die Erarbeitung des „Augsburger Weges“ der Erinnerung.
  • Die Verbesserung der Förderstrukturen der freien Theaterszene.
     

Ihre Planungen:

Welche Themen möchten Sie in den nächsten drei Jahren voranbringen?

Thomas Weitzel: Es gilt die bereits begonnenen Themen zielgerichtet abzuarbeiten. Ich bin kein Anhänger einer additiven Kulturpolitik, denn wir wollen die Dinge, die wir begonnen haben, nachhaltig denken und auf die Zukunft gerichtet gestalten.

Dazu gehört die weitere Betreuung der Theatersanierung mittels derer ein für alle offenes Kulturzentrum im Theaterviertel entstehen soll. Das Theater soll hier auch in seinen Beziehungen zum umgebenden Quartier gedacht werden und als ein Motor für die Stadtentwicklung des Viertels fungieren.

Auch die Interimsspielstätten müssen rechtzeitig ertüchtig werden. Der Martinipark soll im Herbst 2017 spielfertig sein, um das Musiktheater aufzunehmen; das Ofenhaus im Gaswerk soll dann im Herbst 2018 für die Brechtbühne an den Start gehen. Und für 2018/19 sind die schrittweisen Umzüge aus dem Kulturpark West in die sanierten Bestandsgebäude im Gaswerkareal terminiert.

Mit Blick auf das Brechthaus soll im oberen Geschoss eine Künstlerwohnung entstehen, die Gästen der Augsburger Kulturinstitutionen zur Verfügung steht. Parallel dazu sollen auch die Gespräche zur Neugestaltung des Brechthauses wieder aufgenommen werden, da die gegenwärtige Dauerausstellung doch ein wenig in die Jahre gekommen ist. 2023 naht immerhin der 125. Geburtstag des großen Sohnes der Stadt.

Näher liegt da im Vergleich das Leopold-Jubiläum 2019, für das das Mozartbüro schon mit den Planungen begonnen hat. Ziel ist es, den 300. Geburtstag von Leopold mit einem gemeinsamen Festival von Violinwettbewerb und Mozartfest zu feiern.

Innerhalb des Kulturentwicklungskonzepts wollen wir uns mit dem zweiten Baustein gezielt der Museumslandschaft zuwenden. Dabei wird es um einen Abgleich der Profile und Aufgaben der bestehenden Häuser im Rahmen einer Stärken-Schwächen-Analyse gehen, aber auch um die Rolle eines künftigen Römischen Museums.

Ebenso sollen Aspekte von Museen als so genannte „dritte Orte“ in die Debatte einfließen. Da dieser Museumsneubau in absehbarer Zeit sicherlich der letzte seiner Art sein dürfte, sollte es das Ziel sein, die Bedürfnisse und Erwartungen an ein Museum als Teil des öffentlichen Raums abzugleichen. Ähnlich wie bei der Bürgerbeteiligung zum Theater, bei der z.B. die Multifunktionsbühne das klassische Schauspielhaus ersetzt hat, werden die Funktionen eines Museums über die Ausstellung der Artefakte hinaus gedacht werden müssen.

Nur so kann es zu einem lebendigen und relevanten Ort der Stadtgesellschaft gemacht werden.

Darüber hinaus hoffe ich natürlich, dass wir die UNESCO-Kommission mit dem System der Augsburger Wasserwirtschaft überzeugen können und sich die Stadt ab 2019 mit dem Titel des Welterbes schmücken kann.
 

Ihre Einschätzung:

Welche Themen werden uns in Augsburg in den nächsten drei Jahren beschäftigen?

Thomas Weitzel:

  • Der Bevölkerungszuwachs und die Schaffung von Wohnraum.
  • Die Erweiterung des Wissenschaftsstandortes durch die neu gegründete Uniklinik mit ihrem neuen akademischen Apparat.
  • Die kulturelle Stadtentwicklung mit den Großprojekten Theatersanierung und Gaswerk.
     

Ihre Vision:

Wohin sollte sich die Stadt Augsburg entwickeln?

Thomas Weitzel: Augsburg kann sich von den Römern bis zum Religionsfrieden, vom Augsburger Rokoko bis zur Industriekultur, von Brecht und Mozart bis zu Rudolf Diesel mit herausragenden Zeugnissen und Persönlichkeiten der Kulturgeschichte schmücken. Sie erheben die Stadt in den Rang einer europäischen Kulturstadt mit Welterbesiegel. Alle wesentlichen Strömungen der europäischen Kunst- und Kulturgeschichte sind in Augsburg prominent vertreten. In einer jungen und dynamischen Großstadt sollten wir aber künftig auch offen und experimentierfreudig mit unseren Formaten umgehen und die historischen Profile zeitgenössisch interpretieren sowie der urbanen und der Popkultur Raum geben. Die Kulturstadt sollte keine museale, sondern eine innovative und kreative Stadt sein, deren lebendiger Alltag von einer breiten kulturellen Teilhabe aller Bevölkerungsschichten geprägt ist.
 

Ihre Zahl:

Gibt es eine Zahl, die in ihrer Arbeit für die Stadt eine besondere Bedeutung hat?

Thomas Weitzel: Zunächst sind es zwei Zahlen, der Herbst 2017 mit der Eröffnung des Martiniparks sowie der Herbst 2018 mit der Eröffnung des Gaswerks. Damit wären die Voraussetzungen geschaffen, dem großen mittelständischen Betrieb des Theaters mit seinen 370 Mitarbeitern für die Phase der Sanierung und des Neubaus wieder geregelte Arbeitsbedingungen zu geben.

Das zweite wichtige Datum ist die finale Abgabe der UNESCO-Bewerbung am 1. Februar 2018!
 

Ihr Lieblingsort:

Wo fühlen Sie sich in Augsburg besonders wohl, welcher Ort hier erfüllt Sie mit Zufriedenheit?

Thomas Weitzel: Die Wertachauen. Hier kann man mit dem Fahrrad, egal zu welcher Jahreszeit, entspannen und den Kopf frei bekommen, um im Denken auch einmal die Richtung wechseln zu können und Abstand vom Alltag zu bekommen. Im Sommer findet man hier auch die nötige Abkühlung für ein manchmal überhitztes Tagesgeschäft.
 

Ihre Motivation:

Was gibt Ihnen Kraft für Ihre weitere Arbeit?

Thomas Weitzel: Ein gutes und von wertvollen Freundschaften geprägtes privates Umfeld sowie ein loyales und leistungsfreudiges Team.
 

Bitte vervollständigen Sie noch die nachfolgenden drei Sätze:

Überrascht hat mich …
„die im ersten Anlauf gelungene Platzierung auf dem 3. Platz der deutschen Tentativliste für die UNESCO.“

Nachdenklich gestimmt hat mich …
„dass ein Bürgerbegehren gegen eine Kulturinstitution angestrebt wurde, weil dies auch viel über die Basis unseres kulturellen Selbstverständnisses erzählt.“

Besonders glücklich war ich …
„als der Freistaat ein Kultur- und Bildungsförderprogramm für die Stadt Augsburg aufgelegt hat und dass wir nach abgeschlossener Bürgerbeteiligung im Stadtrat mit einer großen Mehrheit den Grundsatzbeschluss für die Theatersanierung fassen konnten.“

 

Momente 2014 – 2020

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Kulturreferent Thomas Weitzel verleiht der Schriftstellerin und Lyrikerin Silke Scheuermann den Brecht-Preis. Rechts im Bild OB Dr. Kurt Gribl und Laudator Michael Braun. Foto: Ruth Plössel/Stadt Augsburg
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Kulturreferent Thomas Weitzel beim Bürgertalk zur Theatersanierung in der Brechtbühne. Foto: Ruth Plössel/Stadt Augsburg
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Zur Halbzeit-Bilanz lud Kulturreferent Thomas Weitzel in das neue Depot der Stadtarchäologie. Foto: Ruth Plössel/Stadt Augsburg
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Die Umsiedlung des Kulturpark West in das Gaswerk-Areal ist eines der Kernprojekte für Kulturreferent Thomas Weitzel in dieser Wahlperiode. Foto: Ruth Plössel/Stadt Augsburg
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Dr. Mark Dominik Hoppe (Wohnbaugruppe) übergibt den Schlüssel des neuen Archäologie-Zentraldepots an Kulturreferent Thomas Weitzel. Foto: Ruth Plössel/Stadt Augsburg
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