Erinnerung an die Opfer der Nazis

28.06.2017 11:03 | Kategorie: Kultur

Anfang Mai wurden – neben 12 Stolpersteinen – in der Donauwörther Straße und in der Stadtbachstraße die ersten beiden Plaketten zur Erinnerung an Augsburger Opfer des Nazi-Regimes installiert. An diesem Mittwoch und Donnerstag folgen weitere fünf Erinnerungsbänder.


In der Bahnhofstraße wurde am heutigen Mittwoch ein Erinnerungsband für das Ehepaar Steinfeld installiert. Zahlreiche Nachfahren waren angereist, um dem Moment beizuwohnen. Foto: Annette Zoepf

Am heutigen Mittwoch findet der Festakt zum 100-jährigen Bestehen der Augsburger Synagoge statt. Zu diesem Anlass befinden sich 99 Nachfahren ehemaliger jüdischer Mitbürger in der Stadt. Sie kamen aus aller Welt, um dem Jubiläum beizuwohnen. Für die Familien Englaender, Steinfeld und Einstein kommt ein weiterer Anlass dazu: Heute und morgen werden Plaketten vor den Wohnhäusern ihrer Vorfahren, die ebenfalls Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft wurden, installiert:
 

Mittwoch, 28. Juni, 14:30 Uhr
Annastraße 6: Paul und Hedwig Englaender

Dr. Paul Englaender (*1884) und Hedwig Englaender, geb. Steinfeld (*1891), heirateten 1914. Ein Jahr später kam die gemeinsame Tochter Elisabeth auf die Welt, 1919 Sohn Hans. Familie Englaender lebte in der Annastraße 6, in diesem Haus war auch die Zahnarztpraxis von Paul Englaender untergebracht. Das Ehepaar Englaender konnte ihre Kinder in den USA in Sicherheit bringen und wählte am 7. März 1943, einen Tag vor der angeordneten Deportation, den Freitod.
 

Mittwoch, 28.Juni, 15:00 Uhr
Bahnhofstraße 18 1/5: Hugo und Karolina Steinfeld

Hugo Steinfeld (*1864) und Lina Steinfeld, geb. Heilbronner (*1869), waren die Eltern von Hedwig Englaender, geb. Steinfeld. Hugo Steinfeld war ein wohlhabender Geschäftsmann und großzügiger Förderer des Synagogenbaus zwischen 1914 und 1917. Das Ehepaar Steinfeld ging am 6. November 1941 in den Freitod
 

Mittwoch, 28.Juni, 16:00 Uhr
Ulmer Straße 185: Max, Johanna, Heinrich, Isak, Ida, Moriz und Lydia Einstein

Die Brüder Max (*1876), Heinrich (*1878), Isak (*1884) und Moriz (*1886) stammten aus der bekannten jüdischen Familie Einstein aus Kriegshaber, die ein Viehhandelsunternehmen betrieb. Max Einstein heiratete 1938 Johanna Einstein, geb. Stern (*1880). Das Ehepaar wurde am 2. April 1942 gemeinsam mit Heinrich Einstein und Camilla Einstein über München nach Piaski (heute Polen) deportiert und kam dort ums Leben. Isak Einstein heiratete 1912 Ida Einstein, geb. Schlossberger (*1890), der Bruder Moriz ehelichte Lydia Einstein, geb. Seligmann (*1900). Beide Ehepaare wurden gemeinsam mit Herrmann und Mina Einstein über München-Milbertshofen nach Auschwitz deportiert und ermordet.
 

Donnerstag, 29. Juni, 9:00
Ulmer Straße 121: Camilla Einstein

Camilla Einstein, geb. Stern (*1880), war mit dem 1939 verstorbenen Samuel Einstein (*1870) aus Kriegshaber verheiratet. Am 2. April 1942 wurde sie über München nach Piaski deportiert und kam dort ums Leben.
 

Donnerstag, 29. Juni, 9:45 Uhr
Ulmer Straße 139: Herrmann und Mina Einstein

Hermann Einstein (*1880) und Mina Einstein, geb. Schlossberger (*1889), heirateten 1911 und lebten in Kriegshaber, bis 1916 ein selbstständiger Ort. Hermann Einstein war Teilhaber des Viehhandelsunternehmens Gebrüder Einstein. 1916 wurde die Tochter Brunhilde geboren, die 1939 nach England emigrierte. Am 8. oder 9. März wurde das Ehepaar Einstein über München-Milbertshofen nach Auschwitz deportiert und ermordet.
 

„Augsburger Weg“ der Erinnerungskultur

Angeregt und organisiert wurde der so genannte „Augsburger Weg“ der Erinnerungskultur durch diverse bürgerschaftliche Initiativen in Zusammenarbeit mit Experten sowie Vertretern von Politik und Stadt Augsburg. Neben den „Stolpersteinen“ mit gravierten Messingplatten, die im öffentlichen Raum vor dem letzten freiwillig bezogenen Wohnort der Opfer verlegt werden, gibt es die „Erinnerungsbänder“, welche beispielsweise an Laternensäulen und Straßennamenträgern angebracht werden. Ihre Formgebung wurde im Rahmen eines Gestaltungswettbewerbes gefunden. Alle Erinnerungszeichen des „Augsburger Weges“ werden durch Bürgerstiftungen finanziert. (pm/rs)

 

 




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