Römerfunde: „Das ist einmalig für Augsburg“

07.02.2018 15:52 | Kategorie: Kultur

Im Kleinen Karmelitengässchen haben die Archäologen römische Mauern freigelegt, wie man sie in Augsburg seit Jahrhunderten nicht mehr gesehen hat. Hier, im nordöstlichen Domviertel, war einst das militärische und kulturelle Zentrum der antiken Siedlung.


Stadtarchäologe Günther Fleps auf der frisch freigelegten Römermauer aus Tuffstein. Foto: Reinhard Strobl/Stadt Augsburg

Wenn Günther Fleps zu einer Pressekonferenz vor Ort einlädt, dann sind spektakuläre Funde aus der Römerzeit oder aus dem Mittelalter zu erwarten. Diesmal war aber auch der Stadtarchäologe überrascht: „Bisher haben wir nur die Fundamente römischer Mauern freigelegt – dass wir so viel aufgehendes Mauerwerk finden, ist ein echter Glücksfall und einmalig für Augsburg“, so Fleps.
 

Vom militärischen Verwaltungszentrum zum Forum der Römerstadt

Eine Baumaßnahme beim Seniorenheim St. Afra hat Fleps und der Stadt Augsburg diesen Glücksfall beschert. „Genau an dieser Stelle war die militärische Verwaltung des Römerlagers bis 70 nach Christus“, sagt Fleps. Beim Bürgerkrieg nach Neros Tod schlug sich die hiesige Garnison offenbar auf die falsche Seite. Das Militärlager wurde aufgelöst, zumal von Norden her keine unmittelbare Gefahr drohte. So wurde Augusta Vindelicum zu einer zivilen Stadt.

Und wo man heute das Seniorenheim St. Afra und den Stephansgarten findet, wurde aus dem militärischen das zivile Zentrum. Hier entstand das Forum mit seiner Basilika, in der Rat gehalten und Recht gesprochen wurde; mit seinem Tabularium, dem Vorläufer des Stadtarchivs; mit dem Marktplatz und zahlreichen Geschäften. „Das komplette öffentliche Leben fand hier statt“, fasst Fleps zusammen.
 

Die römischen Bauten wurden zum Steinbruch

Die nun freigelegte Mauer war offenbar die Begrenzung einer antiken Ladenzeile am Rande des Forums. Sie besteht aus Tuffstein. Diesen bauten die Römer bei Schongau ab und verschifften ihn über den Lech nach Augsburg. „Hier in unserer Region gibt es keine Stein-Vorkommen“, erklärt Fleps. Daran änderte sich auch nach dem Niedergang des Römischen Reiches nichts. So wurden die antiken Bauten im Mittelalter zum Steinbruch. Die Architekten der Bischofsstadt Augsburg trugen die Gebäude nach und nach ab und errichteten neue Bauwerke daraus. „Dass von dieser Mauer noch so viel erhalten blieb, ist ein reiner Zufall“, so Fleps.

Zwischen den Mauern fanden die Archäologen auch ein goldenes Armband, verziert mit echten Smaragden. Auch das ein echter Glücksfall, denn das Schmuckstück ist außergewöhnlich gut erhalten (siehe Bild rechts).

Freigelegt wurden die Mauern bereits im Jahr 1925. Der damalige Stadtarchäologe hat die Funde aber offenbar nur dokumentiert, nicht aber fotografiert. Dann wurde darüber gebaut. Im Jahr 2000 fertigten seine Nachfolger detailgenaue Pläne an. Umso glücklicher ist Günther Fleps, dass er dieses Zeugnis aus der Gründungszeit unserer Stadt nun ans Tageslicht gebracht hat. (rs)




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