Das letzte Tabu: Über das Sterben reden

15.02.2017 18:12 | Kategorie: Umwelt & Soziales

Der ehemalige Bremer Bürgermeister Dr. Henning Scherf war heute in Augsburg, um ein Tabu zu brechen: Er sprach über Sterben und Tod. Er kam auf Einladung von Bürgermeister Dr. Stefan Kiefer und Sozialplaner Klaus Kneißl zur Augsburger Hospiz- und Palliativversorgung (AHPV). Am Fachgespräch nahmen viele Fach-kräfte aus der Hospiz- und Palliativversorgung teil.


Über das Sterben reden und den Abschied leben lernen. Austausch mit Dr. Henning Scherf. Fotos (2): Ruth Plössel/Stadt Augsburg.

Seit fast 30 Jahren lebt Dr. Henning Scherf zusammen mit seiner Frau in seinem Wohnprojekt. Junge, Alte, Ehepaare, Singles - alle gemeinsam in mehreren Wohnungen im selben Haus. „Alt werden wir alle. Das ist sicher. Aber die Frage ist wie", betont der Bürgermeister a.D. der Freien Hansestadt Bremen.

Sterben bedeutet in unserer Gesellschaft oft, einsam zu sein. Dr. Henning Scherf fordert eine gesellschaftliche Kursänderung und fragt: Wie wollen wir sterben? Er macht Mut, Abschied gemeinsam zu leben, um erträglicher zu machen, was wir zuletzt alle durchleben werden. Immer noch sterben die meisten Menschen in Deutschland in Krankenhäusern, und nicht selten sind sie dabei allein. Diese weithin feststellbare Tabuisierung und Anonymisierung des Todes und des Sterbens verweist darauf, dass unsere Gesellschaft die Kultur der Menschlichkeit wiederbeleben und damit eine Kursänderung vollziehen muss.



Kultur der Zuwendung am LebensendeGemeinsam mit Frau Prof. Annelie Keil hat Scherf sein Buch »Das letzte Tabu: Über das Ster­ben reden und den Abschied leben ler­nen« geschrieben. Darin reflektiert er seine eigenen Erfahrungen mit Sterben und Tod und ruft zu einer Kultur der Zuwendung am Lebensende auf, wie wir sie uns vor allem von der Hospizbewegung und Palliativversorgung erwarten.


Bereits gestern hatte Dr. Hennig Scherf über seine langjährigen Erfahrungen zum Thema „Selbstbestimmtes wohnen im Alter“ im Oberen Fletz des Rathauses gesprochen.

 

Augsburgs Bürgermeister und Sozialreferent Dr. Stefan Kiefer als Mitinitiator dieses Fachgesprächs mit Dr. Henning Scherf konzentrierte sich auf die kommunale Verantwortung für dieses Thema: „Wir stehen als Augsburger Stadtgesellschaft in der Verantwortung, dafür Sorge zu tragen, dass unsere Bürgerinnen und Bürger bis zuletzt gut versorgt und umsorgt leben und in Würde sterben können.“

Dr. Eckhard Eichner, AHPV-Vorsitzender und leitender Arzt des ambulanten Palliativteams forderte: „Auch wenn wir bereits einiges in unserer Region erreicht haben, muss noch viel getan werden, damit die von Henning Scherf geforderte Kultur der Menschlichkeit in Form einer gelebten Palliativ- und Hospizkultur an allen Orten zu finden ist, an denen gestorben wird. Die Stadt Augsburg ist Mitglied im Verbund der „Augsburger Hos­piz- und Palliativversorgung“.(pm/pif)




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